Hamburger: Lasst Print leben! Abonniert die taz!
Das Hamburger Abendblatt hat den Paid Content eingeführt, sprich: das kostenpflichtige Online-Abo. Das ist ein guter Anlass, über Qualität nachzudenken: Lohnt sich das Online-Abo? Ein Blick auf die aktuellen "Top-Bildershows" der Abo-Werbeseite spricht klare Worte:
- Recycling ist sexy - der Kalender 2010
- Akt-Ausstellung
- Babyfotos
- Tiger fallen Dompteur an
Und dafür wollt Ihr zahlen?
Nein, nicht wirklich, und eigentlich nicht mal für das gedruckte Abo. Mal ehrlich, das Abendblatt ist ein Armutszeugnis für eine "Medienmetropole": Tendenziöse Berichterstattung, BILD-ähnliche Kampagnen, Boulevard-Themen - als Leser habe ich mich nie ernst genommen gefühlt und im schlimmsten Fall sogar für fremde Zwecke benutzt.
Das verbreitetste Argument für das Abendblatt ist immer: Das Regionale! Na gut, ihr bekommt hier zwar eine ausführliche, aber stets gefärbte Berichterstattung aus Stadt und Region. Das muss ich mir nicht antun, die Fakten kann ich mir auch woanders besorgen, schließlich bin ich ein gewiefter Internet-Nutzer.
Es gibt aber eine Alternative. Ein engagiertes Projekt für Qualitätsjournalismus, das beständig am Rand der Pleite entlangschrammt: Die taz mit ihrem Hamburg-Teil, einer der letzten taz-Lokalausgaben, die sich gehalten haben. Auch hier finde ich lokale Themen, und zwar die, die mich interessieren: Hamburger Bildung, Wohnpolitik, Kultur, wirtschaftliche Hintergründe aus kritischem Blickwinkel.
Das funktioniert sogar im Print noch gut. Die Themen, die ich vielleicht als Fakt bereits am Tag vorher im Netz gelesen habe, werden hier zusammengestellt, sauber analyisiert und kommentiert. Und zwar nicht wie vielleicht früher aus einer dogmatischen, unbeweglichen Perspektive, sondern kontrovers und selbstkritisch. Dazu kommen Hintergrundberichte, die ich vorher im Netz nicht gefunden und gefühlt wirklich vermisst hatte. Und nicht zu vergessen: Die Wahrheit steht auch immer drin.
Ich bin nicht zuletzt deshalb von der taz überzeugt, weil ich es als PR-Berater fast nie geschafft habe, die Redaktion zu knacken. ;-)
Probiert's doch mal aus. Muss ja nicht jeder gleich Genosse werden wie Kai Diekmann.
