Am Wegrand

Am Wegrand

Tilo Timmermann  //  Ich mache Tsching, Derassa & Bum.

Jan 26 / 10:40pm

Skurriles vom Amt

Neulich erhielten wir einen Schrieb vom Hamburger Landesvermessungsamt, dass die Straße, in der wir wohnen, bislang irrtümlich Hamburg zugeschrieben wurde und von nun an Teil von Schleswig-Holstein sei. Dazu muss man wissen, dass es sich um eine Sackgasse an der Landesgrenze handelt, an deren Ende unser Häuschen steht. Das Grundstück ist weiterhin Hamburg, ich habe allerdings - und das irritiert mich - jetzt keine Möglichkeit mehr, das Haus anders als über die Pferdekoppel zu verlassen, ohne nach Schleswig-Holstein zu reisen.

Erst war ich in meinem Zugereisten-Patriotismus gekränkt - bis ich heute früh zum ersten Mal bei Schnee aufbrechen musste. Und siehe da: Die Straße war frisch geräumt und gestreut! Danke, Schleswig-Holstein, gerne wieder! Letztes Jahr radelte ich 3 Monate lang über einen geschlossenen Eispanzer, weil sich Hamburg ja nicht in der Lage sieht, auch Nebenstraßen zu räumen.

Wollt Ihr vielleicht auch das Grundstück noch eingemeinden? Ach ne, wählen in SH, das muss ja nun wirklich nicht sein.

Filed under  //  Hamburg  
Dec 18 / 10:46pm

Kauft mich, ich bin doof!

Sicher, Rechtschreibregeln sind reine Konventionen und der Verstoß dagegen kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein. In den allermeisten Fällen aber wird der Leser glauben, dass derjenige, der gegen die DUDEN-Richtlinien verstößt, es nicht besser kann oder zumindest schlampig war. Für eine Marke ist beides nicht gut.
Um so mehr wundert mich die bei vielen Unternehmen in Stein gemeißelte "Wording"-Richtlinie, nach der der Markenname niemals mit Bindestrich gekoppelt werden darf. Da gibt es dann Apple Mitarbeiter, Opel Modelle und Google Angebote (erfundene Beispiele). Mir als zugegebenermaßen vorgebildetem Leser kommt da immer der schöne Ausdruck vom "Deppenleerzeichen" ( http://de.m.wikipedia.org/wiki/Deppenleerzeichen ) in den Sinn. Aber dass ein Markenname aufgrund einer internen Regel, die sich Leute ausgedacht haben, die keine Ahnung haben, permanent mit einem Fehler assoziiert wird, kann doch wohl nicht sein ... Die Kopplung hat einen Sinn, sie erleichtert den Verständnisfluss beim Lesen.
Bitte, erst denken, dann schreiben, ok?
Aug 22 / 10:52pm

Heute nacht ...

... stand ich in der Industriebrache des ehemaligen Grundig-Geländes und musste mit Ziegelsteinbrocken auf rostigen Eisenplatten die Geschichte eines Startups aufschreiben, das mit einer Foursquare-Idee gestartet, aber dann zu spät fertig geworden war. Ich glaube, ich brauche Urlaub.
Jul 19 / 12:36am

Die Welt der Dinge

Das Internet der Dinge wird im Jahr 2020 50 Milliarden Geräte umfassen, sagt Cisco. Das Internet der Dinge? Haben das die Trendforscher schon entdeckt? Die Thingification? Interessanterweise zählt Cisco schon Kühe zu den Dingen. Ich vermute mal, dass es in ein paar Jahren auch den Verkehr der Dinge gibt, den Ding-Commerce, Ding-Feten und die Partei der Dinge. Vorher wird es wilde Debatten geben zwischen Gruppierungen, die vermutlich Mensch-Menschen und Dingisten heißen werden. Und vielleicht nehmen uns am Ende die Dinge gnädig als Dinge zweiter Ordnung in ihre Algorithmen auf.

Vorgedacht haben das Kraftwerk oder Terminator. Heute schon spüre ich zum Beispiel in der Privacy-Debatte zwischen der Spackeria und der Aluhut-Fraktion die Tendenz, die maschinengegebenen neuen Bedingungen zu akzeptieren und, da man sie nicht mehr ändern zu können glaubt, zu akzeptieren. Was man denken kann, kann man machen, was man machen kann, wird gemacht, was gemacht wird, dagegen kann man nichts machen. Und wogegen man nichts machen kann, das will man dann auch lieber freudig akzeptieren.

Nichts gegen die Darstellung eines Tagesablaufs, wie ihn Cisco bringt. Dass man die Welt so gestalten könne, dass sie uns möglichst weit unterstützt, ist ja eigentlich eine gute Vorstellung. So ähnlich wie schon die Visionen aus dem Zeitalter der Dampfmaschinen, die für die Menschheit ein Schlaraffenland vorhersagten, weil die Maschinen uns die Arbeit abnehmen würden. Ist bloss dummerweise nicht so gekommen. Vielleicht gibt's weniger Menschen mit Bandscheibenschaden (im Westen), weil es jetzt Kräne gibt, aber es gibt auch mehr Elend, Unterdrückung, ungerechte Arbeitsbedingungen als je zuvor.

Lasst uns lieber die Folgen der Dingifizierung ausnahmsweise einmal vorher bedenken, bevor sie plötzlich eingetreten sind. Wollen wir alle Hindernisse aus dem Weg geräumt haben? Wollen wir uns den ganzen Tag mit der Programmierung und Feinjustierung von Abläufen befassen, anstatt sie einfach selbst zu durchleben und von mir aus auch zu durchleiden? Jedenfalls ist mir die Schlussfolgerung "Like it or not. Das Internet der Dinge ist auf dem Vormarsch" bei weitem zu passivisch. Wir müssen das nicht machen, wenn wir nicht wollen. Wir können uns auch selbst unseren Kaffee aufbrühen, kochendes Wasser in einen Porzellanfilter schütten und den Duft genießen, mithilfe keiner anderen Maschine als einem Wasserkocher (den ich selbst angestellt habe). Denn wohin soll all die Effizienz und Zeitsparerei führen? Habt Ihr das Gefühl, dass Ihr mehr Zeit habt, seit Ihr Euch effizienter organisiert?

Ihr werdet mehr Zeit haben, wenn Ihr sie Euch nehmt, um Kaffee mit der Hand zu kochen und dann nach einem kurzen Blick auf die Armbanduhr zu Fuß zur U-Bahn zu spazieren.

May 31 / 11:51pm

Tolle Claims, Nr. 285

Aus der Reihe "Tolle Claims" heute: Axa Corporate Solutions - "Redefining Standards". Ich seh's bildlich vor mir: "Och, ab heute ist DIN A4 mal 35 cm hoch." "Oh ja, und USB funktioniert ab morgen nur noch beim Blackberry Playbook!"
Toll!
May 16 / 7:51am

Was mich ja besonders am Fall Strauss-Kahn interessiert ...

... ist die Frage, wie ein Sozialist Chef des IWF sein kann. Da bislang das internationale Finanzsystem noch nicht wirklich umgekrempelt worden ist, tippe ich drauf, dass einfach die Bezeichnung der französischen Partei wohl nicht mehr ganz aktuell ist.
Mar 2 / 7:06am

Facebook ist tot - lang lebe Facebook! Oder: Der Mainstream ist angekommen.

Als medienaffiner Mensch, der womöglich auch noch Kunden gut beraten will, hat man ja ein besonderes Augenmerk auf die Fälle, wo Unternehmen ganz schrecklich baden gehen: Dialog beschnitten, Blogger abgemahnt, Schmu getrieben - jederzeit, so der Eindruck, kann einer dieser gefürchteten "Shitstorms" über ein unbedarftes Unternehmen hereinbrechen. Als Berater will man das Unternehmen mit solchen Beispielen für ein gutes "Benehmen" sensibilisieren. Zugleich baut man damit aber Hürden auf: Wenn Facebook so gefährlich ist, dann will ich da lieber gar nicht hin ...

Inzwischen sollten wir Berater uns aber langsam umorientieren. Denn nicht mehr die Skandale sind für mich das Erstaunliche an den Netzwerken, sondern die inzwischen unübersehbaren Massen von positiv gestimmten Verbrauchern. Ich selbst, ich gestehe es, hatte meine Freude an der kritischen Avantgarde auf Twitter und bei Facebook, die sich nicht für Unternehmenszwecke einspannen ließ und empört so genannte "Rants" schrieb, wenn irgendwo ein Unrecht geschah. Aber: man bemerkt sie kaum mehr zwischen all den Shopping-Addicts und Coupon-Diensten, die einen ganz fröhlichen, unkritischen Kommerz pflegen.

Die Masse ist auf Facebook angekommen, 16 Millionen Nutzer. Das sind nicht mehr alles Medienfuzzis. Das sind Teenies, Bäcker, Opas, Gefreite, Studenten, BILD-Leser und Technofreaks. Und die machen nunmal so komische Sachen wie Guttenberg gut finden, auch wenn wir Kritiker uns kaum vorstellen können, dass das mit rechten Dingen zugeht. Tja, die Zeit ist über uns hinweggegangen. Wir müssen uns von einigen Vorurteilen – und vielleicht auch Hoffnungen – verabschieden. Man kann tatsächlich 100.000 Fans gewinnen, indem man 10 doofe iPads verlost - wenn dahinter die Macht eines massenhaft verbreiteten Newsletters steht. Man kann eine Städteseite betreiben, in die man nur kleine Fragen hineinposten muss, und man bekommt Antworten von hunderten begeisterten Fans:

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Das ist toll für all die Marken, deren Freundezahl in unvorstellbare Höhen steigt, und gut natürlich auch für die Kunden. Aber es macht auch ein bisschen traurig. Ich hatte mir das doch etwas anders vorgestellt mit diesem Social Dings. Egal. Wichtig ist, dass Berater ihre eigenen Maßstäbe nicht zum Maß aller Dinge machen. Jetzt ist Facebook eben ein bisschen wie SAT1, wo die große Preisfrage lautet: Wie heißt der deutsche Bundestrainer: a) Jogi Löw oder b) Charly Chaplin. Neue Zielgruppen, neue Themen, neue Methoden.

Für mich gibt's dank der tollen sozialen Plattformen genug Nischen, in denen ich MEIN Internet noch finde.

Feb 24 / 12:28am

Guttenrant

Also, bisher habe ich mich ja echt zusammengerissen und einiges Mitgefühl mit Guttenberg gehabt, zumal ich eine sehr gute Freundin aus dem Umfeld der Juristen an der  Uni Bayreuth habe, die mir versicherte, dass es dort üblich sei, dass eine Diss. so zusammengeschludert wird. Ich möchte auch jedem das Recht zugestehen, Fehler einzusehen und die Sachen später besser zu machen.

Dann kamen allerdings menschliche Zweifel auf, die mich am Charakter Guttenbergs zweifeln lassen - es geht um Ehrgeiz, Schummeleien, skrupelloses Karrieredenken, Betrugsbereitschaft. Wie soll so jemand Minister sein? Das Scheinargument, dass andere nicht besser sind, lasse ich nicht gelten, denn sonst müssen wir uns damit abfinden, dass wir eine Bananenrepublik sind. Ich verzichte nicht auf den Anspruch, von moralisch zumindest bemühten Menschen regiert zu werden.

Eine Meldung der FTD heute früh brachte allerdings das Fass zum Überlaufen. Ihr habt die "Volksabstimmung" der BILD über Guttenberg mitbekommen? Wo sich 87% der Teilnehmer für den Verbleib in der selbstverschuldeten Unmündigkeit entschieden und pro Guttenberg stimmten? Der Hintergrund: Das Verteidigungsministerium schaltet demnächst eine große Anzeigenkampagne. Bei der BILD. Und jetzt sagt mir nicht, das habe nichts miteinander zu tun...

Dec 14 / 6:41am

Auf Nummer Sicher

Man sollte ja immer auf Nummer Sicher gehen. Deshalb werde ich von jetzt an alle Statements mit einem kleinen Abbinder versehen - nicht, dass mich jemand falsch versteht!

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It should be noted that certain statements herein which are not historical facts, including, without limitation, those regarding: A) the timing of product, services and solution deliveries; B) our ability to develop, implement and commercialize new products, services, solutions and technologies; C) expectations regarding market growth, developments and structural changes; D) expectations regarding our mobile device volume growth, market share, prices and margins; E) expectations and targets for our results of operations; F) the outcome of pending and threatened litigation; G) expectations regarding the successful completion of contemplated acquisitions on a timely basis and our ability to achieve the set targets upon the completion of such acquisitions; and H) statements preceded by "believe," "expect," "anticipate," "foresee," "target," "estimate," "designed," "plans," "will" or similar expressions are forward-looking statements. These statements are based on management's best assumptions and beliefs in light of the information currently available to it. Because they involve risks and uncertainties, actual results may differ materially from the results that we currently expect. Factors that could cause these differences include, but are not limited to: 1) the deteriorating global economic conditions and related financial crisis and their impacts on us, our customers, suppliers, and collaborative partners; 2) competitiveness of our product, service and solutions portfolio; 3) the extent of the growth of the mobile communications industry; 4) the growth and profitability of the new market segments that we target and our ability to successfully develop or acquire and market products, services and solutions in those segments; 5) our ability to successfully manage costs; 6) the intensity of competition in the mobile communications industry and our ability to maintain or improve our market position or respond successfully to changes in the competitive landscape; 7) the impact of changes in technology and our ability to develop or otherwise acquire complex technologies as required by the market, with full rights needed to use; 8) timely and successful commercialization of complex technologies as new advanced products, services and solutions; 9) our ability to protect the complex technologies, which we or others develop or that we license, from claims that we have infringed third parties' intellectual property rights, as well as our unrestricted use on commercially acceptable terms of certain technologies in our products, services and solution offerings; 10) our ability to protect numerous Timmermann and Timmermann Networks patented, standardized or proprietary technologies from third-party infringement or actions to invalidate the intellectual property rights of these technologies; 11) Timmermann Networks' ability to achieve the expected benefits and synergies from its formation to the extent and within the time period anticipated and to successfully integrate its operations, personnel and supporting activities; 12) whether, as a result of investigations into alleged violations of law by some current or former employees of Timmermann AG ("Timmermann"), government authorities or others take further actions against Timmermann and/or its employees that may involve and affect the carrier-related assets and employees transferred by Timmermann to Timmermann Networks, or there may be undetected additional violations that may have occurred prior to the transfer, or ongoing violations that may have occurred after the transfer, of such assets and employees that could result in additional actions by government authorities; 13) any impairment of Timmermann Networks customer relationships resulting from the ongoing government investigations involving the Timmermann carrier-related operations transferred to Timmermann Networks; 14) occurrence of any actual or even alleged defects or other quality issues in our products, services and solutions; 15) our ability to manage efficiently our manufacturing and logistics, as well as to ensure the quality, safety, security and timely delivery of our products, services and solutions; 16) inventory management risks resulting from shifts in market demand; 17) our ability to source sufficient amounts of fully functional components and sub-assemblies without interruption and at acceptable prices; 18) any disruption to information technology systems and networks that our operations rely on; 19) developments under large, multi-year contracts or in relation to major customers; 20) economic or political turmoil in emerging market countries where we do business; 21) our success in collaboration arrangements relating to development of technologies or new products, services and solutions; 22) the success, financial condition and performance of our collaboration partners, suppliers and customers; 23) exchange rate fluctuations, including, in particular, fluctuations between the euro, which is our reporting currency, and the US dollar, the Chinese yuan, the UK pound sterling and the Japanese yen, as well as certain other currencies; 24) the management of our customer financing exposure; 25) allegations of possible health risks from electromagnetic fields generated by base stations and mobile devices and lawsuits related to them, regardless of merit; 26) unfavorable outcome of litigations; 27) our ability to recruit, retain and develop appropriately skilled employees; 28) the impact of changes in government policies, laws or regulations; and 29) our ability to effectively and smoothly implement our new organizational structure; as well as the risk factors specified on pages 10-25 of Timmermann's annual report on Form 20-F for the year ended December 31, 2007 under "Item 3.D Risk Factors." Other unknown or unpredictable factors or underlying assumptions subsequently proving to be incorrect could cause actual results to differ materially from those in the forward-looking statements. Timmermann does not undertake any obligation to update publicly or revise forward-looking statements, whether as a result of new information, future events or otherwise, except to the extent legally required.